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Jahresrückblick 2025

2025 war für mich mehr als nur ein Jahr – es war der Moment, in dem Stroke Helper wirklich begonnen hat, real zu werden.

Ein medizinisches Thema wie den Schlaganfall anzugehen, ist herausfordernd. Genau das hat mich jedoch motiviert. Zwischen Schule, Recherchen und vielen Gesprächen drehte sich alles immer wieder um eine zentrale Frage: Wie kann man schneller helfen, wenn jede Minute zählt?

Dieser Jahresrückblick zeigt, was entstehen kann, wenn Neugier auf Verantwortung trifft, aus einer Idee ein Ziel wird und aus einem Traum ein echtes Projekt wächst.


Mir war schon nach der Teilnahme bei Jugend forscht klar, dass mich das Thema Schlaganfallerkennung und Neurologie nicht mehr loslassen würde. Ich war fasziniert von der gesamten Thematik und bin sehr dankbar für die Unterstützung der UKS (Universitätsklinikum Homburg), ohne die ich diese tiefen Einblicke niemals erhalten hätte. 
Eines meiner größten Ziele war es, irgendwann ein Praktikum in der Neurologie der UKS zu absolvieren, um weiter zu forschen und zu entwickeln. Dass Stroke Helper jedoch einmal eine solche Aufmerksamkeit bekommen würde, hätte ich mir nie vorstellen können.

Nach Jugend forscht war ich voller Euphorie und wollte auf jeden Fall an der App weiterarbeiten. Aber ich kam zunächst nur langsam voran. Es gab Phasen voller Zweifel und persönlichen Rückschlägen in denen ich ehrlich darüber nachgedacht habe, das Projekt aufzugeben.
Dann kam völlig unerwartet eine Anfrage der Saarbrücker Zeitung mit der Bitte um ein Interview. Anfangs gingen wir von einem kleinen Bericht im Innenteil des Lokalteils aus. Uns war nicht bewusst, dass daraus ein umfangreicher, fast ganzseitiger Artikel entstehen würde.

Nach diesem Moment nahm alles spürbar Fahrt auf. Es folgte eine Anfrage vom SR für einen TV-Beitrag – mein erster überhaupt. Um ehrlich zu sein: Nicht nur ich, sondern auch meine Eltern waren ziemlich nervös. Der Beitrag wurde später auch in der ARD, unter anderem bei Brisant und im Mittagsmagazin, ausgestrahlt.

Mit dem plötzlichen bundesweiten Interesse stieg auch meine eigene Erwartungshaltung. Ich wollte nicht dauerhaft nur denselben Prototyp zeigen, sondern eine App entwickeln, die eines Tages tatsächlich Leben retten kann und Ärztinnen, Ärzte sowie Pflegepersonal im Krankenhausalltag unterstützt.

Da die Programmierung immer komplexer wurde und rechtliche Themen wie Datenschutz und Datensicherheit eine immer größere Rolle spielten, unterstützt mich mein Vater in diesen Bereichen – technisch wie organisatorisch.

Neben der eigentlichen App, die auf dem Smartphone der Nutzer läuft und mittels Gesichts- und Sprachanalyse typische Schlaganfallsymptome erkennt, haben wir zusätzlich ein Lab (Labor) entwickelt. Dort findet das eigentliche Training der KI statt.

Im Lab sammeln wir Daten, damit der Algorithmus Schlaganfallsymptome und -merkmale zuverlässig erlernen kann – nicht nur anhand von Bilddateien, sondern inzwischen auch über Sprachaufnahmen. Bei Unsicherheiten meldet sich die KI, und eine Ärztin, ein Arzt oder eine Fachkraft prüft die Daten und bewertet sie. Diese Rückmeldungen helfen der KI, präziser zu werden und neue Muster zu erkennen.
 Das Lab ist somit das Herzstück von Stroke Helper: Alle gewonnenen Erkenntnisse fließen in den Algorithmus der App mittels Updates zurück. Gleichzeitig bleiben die Daten der Nutzer lokal auf dem jeweiligen Endgerät – datenschutzkonform.

Durch das mediale Interesse wurden auch weitere Kliniken und Krankenkassen auf uns aufmerksam. In Gesprächen wurde schnell klar, dass wir ein zusätzliches Tool benötigen, das zwischen App und Lab angesiedelt ist und speziell für Pflegepersonal oder kleinere Arztpraxen sinnvoll ist. Im Kern handelt es sich um erweiterte App mit einer Mandantenfunktion und einer direkten Schnittstelle zum Lab. So entstand die Stroke Helper Lite Version.

Eine schnellere Erkennung von Schlaganfallsymptomen kann nicht nur Menschenleben retten, sondern auch das Gesundheitssystem erheblich entlasten.

Wir haben dazu folgendes errechnet: 
In Deutschland erleiden jährlich rund 200.000 Menschen einen Schlaganfall. Pro Patient entstehen Kosten von etwa 50.000 €. Das ergibt jährliche Gesamtkosten von rund 10 Milliarden Euro. 
Wenn es uns mit Stroke Helper gelingt, nur 2 % dieser Fälle durch frühere Erkennung und schnellere Behandlung positiv zu beeinflussen, könnten rund 200 Millionen Euro eingespart werden – und vor allem würde vielen Menschen ein selbstbestimmteres Leben ermöglicht.

In Gesprächen mit Kliniken und Universitäten öffnete sich im September eine weitere, unerwartete Tür: Es besteht ernsthaftes Interesse, Stroke Helper in eine klinische Studie aufzunehmen und wissenschaftlich zu testen. Für uns war das ein besonderer Moment, der ganz neue Chancen eröffnet hat – aber auch neue Herausforderungen mit sich brachte.

In den letzten Wochen haben wir App, Lite und Lab intensiv weiterentwickelt: Benutzerführung, Interface und die komplette Mehrsprachigkeit. Stroke Helper ist aktuell in sieben Sprachen verfügbar: Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch – passend zu meinen Sprachfächern in der Schule – sowie zusätzlich Chinesisch, Arabisch und Hindi. Damit erreichen wir potenziell rund 75 % der Weltbevölkerung.
 Für unsere KI (MIRA) hinter Stroke Helper ist diese Vielfalt essenziell: Nur so können Menschen unterschiedlicher Herkunft zuverlässig analysiert werden. Andernfalls besteht die Gefahr sogenannter Bias-Effekte, bei denen Algorithmen nur für bestimmte Bevölkerungsgruppen gut funktionieren – zum Beispiel ausschließlich für Europäer. Das gilt für Bilder ebenso wie für Sprache.

Und wie geht es jetzt weiter? Ganz ehrlich: Ich weiß es noch nicht.
 Ich bin gleichzeitig geschockt und überwältigt von dem, was in den letzten vier bis sechs Monaten aus einer simplen Idee entstanden ist – ausgelöst durch einen Besuch der Langen Nacht der Wissenschaften an der UKS.

Was ich jedoch ganz sicher weiß: Es geht weiter. 
Wir werden entscheiden müssen, ob wir Anfang 2026 ein Startup gründen und Stroke Helper als MDR-zertifiziertes Medizinprodukt weiterentwickeln. Eines kann ich mit Überzeugung sagen: 2026 wird ein weiteres spannendes Jahr – für uns und für Stroke Helper.

Ein ganz besonderes Dankeschön geht an die UKS, insbesondere an Stefan Helwig und seinem Team aus der Neurologie, der mich während meines freiwilligen Praktikums in der neurologischen Notaufnahme betreut hat und mir jede Frage beantwortete – egal, wie naiv sie klang.

Ein weiterer Dank gilt der Saarbrücker Zeitung, vor allem Lukas Taskiran, dessen Bericht uns viele Türen geöffnet hat.

Danke an den SR – Aktueller Bericht, an Bettina Rau und ihr Team sowie an die ARD und das Magazin Brisant. Die Dreharbeiten waren eine besondere Erfahrung und haben unserem Projekt zusätzliche Sichtbarkeit verschafft.

Danke an das SR Online Team mit Anne Staudt.

Natürlich geht auch ein Dank an RTL, Ejona Gjona und dem Punkt12 Magazin für die Berichterstattung.

Danke auch an alle die uns unterstützt haben haben. Sei es mit netten Worten, Berichten zu ihren Erfahrungen und die uns mit Bilder und Sprachaufzeichnungen zum Training unserer KI beigetragen haben.

„I have a dream today.“ 

Eure Anna-Lena